IT-Strategien

Cloud-Dienstleistungen als Chance für Unternehmen

Unkalkulierbares Sicherheitsrisiko oder unverzichtbares Service-Angebot? Auch nach Jahren polarisiert das Thema Cloud. Bei nüchterner Betrachtung bietet sich vielen IT-Abteilungen die Chance, Standardservices nach Bedarf von Dienstleistern zu beziehen und sich so auf wichtigere Themen zu konzentrieren. Dabei wird das Thema Cloud von einer Seite vorangetrieben, die der Firmen-IT in letzter Zeit immer häufiger Richtung und Tempo vorschreibt: von den Privatanwendern.

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Auf die Website mit den Fotos des letzten Urlaubs können auch Oma und Opa zugreifen, die zigtausend Lieder umfassende Musiksammlung lässt sich vom Laptop aus genauso aufrufen wie vom Smartphone, und abends wird der Blockbuster per Video-on-Demand über den heimischen Beamer geschaut: Cloud-Dienste haben, ohne dass es dem Nutzer oft bewusst ist, bereits zahlreiche Lebensbereiche durchdrungen. Für viele Privatanwender spielt der Speicherort - lokal oder " irgendwo im Netz" - dank großer Bandbreiten und umfangreicher Netzabdeckung immer weniger eine Rolle.

Das passt jetzt alles in die Hosentasche

Zwei weitere Faktoren treiben die Entwicklung immer stärker in Richtung Cloud. Einerseits spielen viele liebgewonnene Anwendungen ihr ganzes Potenzial erst aus, wenn Daten zwischen unterschiedlichen Endgeräten synchronisiert werden. Eine To-do-Liste ist nur dann sinnvoll, wenn sie auf Tablet, Handy und Laptop stets aktuell ist.

Andererseits sorgen Smartphones mit ständig ausgereifteren Aufzeichnungsfunktionen für immer neuen Speicherbedarf. So entwickeln sich Videos in 4K-Qualität zum Standard. Immer schneller entstehen so Datenmengen, für welche die Kapazität der Gerätespeicher kaum ausreicht.

Joachim Seidler

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Der Autor: Joachim Seidler - Geschäftsführer der adesso hosting services GmbH

Zu Hause bewegen sich Anwender inzwischen immer sicherer durch die zahlreichen Cloud-Angebote. Sie stellen sich eine private IT-Infrastruktur zusammen, die sich problemlos auf- und abbauen, reduzieren und erweitern lässt. Da die meisten Privatanwender auch Mitarbeiter in Unternehmen sind, nehmen sie ihr Wissen über und ihre Ansprüche an IT mit an ihre Arbeitsplätze.

Ähnliche Entwicklungen ergeben sich im Bereich Software as a Service (SaaS). Produkte werden "cloudifiziert" und es steht ausschließlich der Dienst im Vordergrund. Für Unternehmen ist die tägliche Nutzung von Microsoft Office 365, SAP oder Salesforce zum Normalfall geworden.

Cloud für jeden Zweck

Für Unternehmen ist Cloud aber nicht gleich Cloud. Man unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Varianten: Public, Private und Enterprise Cloud. Public-Cloud-Lösungen bieten eine Plattform, um IT-Lösungen mit sehr geringem Aufwand zu testen. Dies eignet sich besonders für Entwicklungsprozesse oder Testsituationen. Häufig fehlen allerdings Zusagen über Verfügbarkeiten einzelner Entitäten. Auch der Schutz eigener Daten ist nicht garantiert.

Private-Cloud-Lösungen bieten generell die gleichen Services, jedoch in abgeschotteten Systemumgebungen. Der Schutz des eigenen Systems und der dort enthaltenen Daten wird vom Anbieter zugesagt, ebenso wie der Speicherort der Daten. Die zur Verfügung stehenden Systemkomponenten sind innerhalb definierter Grenzen konfektioniert.

Basis der Private Cloud sind dedizierte Virtualisierungs-Infrastrukturen. Als Lohn für diese Einschränkung erhalten IT-Abteilungen auf Knopfdruck ein neues System aus der Retorte. Dies funktioniert so lange, bis die dedizierte Infrastruktur ausgelastet ist. Dann müssen Unternehmen, um neuen Platz zu schaffen, größere Investitionen tätigen.

Enterprise-Cloud-Konzepte verfolgen einen zweigleisigen Ansatz. Sie verknüpfen individuelle Systemarchitektur, Autonomie und die Fähigkeit zur Integration in bestehende Systemlandschaften mit flexibler Skalierung, hoher Ausfallsicherheit und parziell abrechenbaren Leistungsbausteinen.

Cloud, Cloud-Dienste

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Cloud-Dienste haben - für die Nutzer oft unbewusst - bereits zahlreiche Bereiche des digitalen Lebens durchdrungen.

Prozesse und Workflows statt Kabel und Server

Privatanwender verfolgen mit Cloud-Anwendungen häufig das Ziel, ihren Zugriff auf Dateien zu organisieren. Für IT-Profis in den Unternehmen haben Cloud-Anwendungen noch ganz andere Vorteile. Für sie können Cloud-Lösungen ein Instrument sein, mit dem sie sich den aktuellen Anforderungen an die IT besser stellen können, das heißt den immer kürzeren Innovationszyklen und agilen Entwicklungsprojekten, zum Beispiel bei mobilen Anwendungen, der immer höheren Flut an Anforderungen aus den Fachabteilungen und der stets wachsenden Verantwortung für die Unternehmensentwicklung. All das erfordert eine neue IT.

Auf der einen Seite zerren Fach- und Branchenthemen an den IT-Abteilungen, auf der anderen Seite erfordern Aufbau und Erhalt der Basis-IT-Infrastrukturen mehr Zeit und Ressourcen. In der aktuellen Phase können Cloud-Konzepte die IT-Infrastruktur sinnvoll ergänzen.

Gelingt es Verantwortlichen, Standard- IT-Aufgaben als Cloud-Angebot bedarfsweise einzukaufen, können sie so ihren Mitarbeitern die nötige Luft verschaffen, um sich auf die eigentlich werttreibenden Themen zu konzentrieren. Richtig eingesetzt, befreien Cloud-Angebote die IT-Experten im Unternehmen von einem Teil der Sachzwänge, mit denen sie sich tagtäglich herumschlagen müssen.

Schlüsselfertige Lösungen

Das Einsatzspektrum von Cloud-Angeboten ist dabei weit gefächert: vom Server, der sich für eine Testumgebung per Mausklick dazukaufen lässt, bis hin zu einem vollständig konfigurierten lokalen Webshop für den chinesischen Markt können Unternehmen IT-Dienste einkaufen. Standard-Dienstleistungen wie Serversysteme oder Kommunikationsinfrastrukturen lassen sich so in hoher Qualität und Zuverlässigkeit erwerben - schlüsselfertig und inklusive Management.

Egal, ob IT-Abteilungen einzelne Elemente oder Großteile der IT-Infrastruktur auf diesem Weg in die Hände eines Cloud-Dienstleisters legen, die Vorteile überwiegen: Den Anbietern fällt es aufgrund ihrer Erfahrungen und Spezialisierungen deutlich leichter, sich an schwankende oder veränderte Anforderungen anzupassen.

Für eine einzelne IT-Abteilung mag der Schritt nach China mit all seinen Konsequenzen - der Auswahl von Mitarbeitern und Partnern vor Ort, Aufbau der Infrastruktur oder Abstimmung mit den lokalen Behörden - mit einer fast unüberblickbaren Anzahl von neuen Aufgaben verbunden sein. Für einen Cloud-Anbieter, der sich genau auf diese Themen spezialisiert hat, gehört dies zum Tagesgeschäft. Er kann die benötigten Dienste schnell und in nahezu beliebigen Größenordnungen bereitstellen.

Neue Wertschätzung für die IT

Und der Verantwortliche in der Unternehmens-IT? Er muss nicht mehr dafür sorgen, dass seine Mannschaft sich um die technischen Details der IT-Infrastruktur kümmert. Die Team-Mitglieder können Zeit und Ressourcen auf Themen wie das Designen von Geschäftsprozessen oder das Modellieren des Informationsflusses konzentrieren.

Ein so fokussiertes Team kann Fachabteilungen gegenüber als Partner auftreten, sich in Business- und Branchenthemen einarbeiten und sich innerhalb des Unternehmens eine neue Wertschätzung erarbeiten. Ein solches Team wird zum Bindeglied zwischen Fachthemen und deren IT-technischer Ausprägung.

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In Zeiten, in denen die IT unabdingbar für den Geschäftserfolg ist, sollten die Experten sich auf die fachspezifischen Aufgaben konzentrieren. IT-Standardanforderungen lassen sich von Fall zu Fall über Cloud-Dienstleister einkaufen. So entstehen IT-Abteilungen, die - mit der gleichen Teamgröße und häufig auch bei unverändertem Budget - neu und anders denken können. Das macht heutzutage die Kernkompetenz einer Unternehmens-IT aus und nicht die Fähigkeit, Server einzurichten und Infrastrukturen zu verwalten.

Fazit

Die Ansprüche an die IT im Unternehmen wachsen immer höher und immer schneller. IT-Verantwortlichen in Unternehmen stellt sich somit die Frage, wie sie auf diese Entwicklung zeitgemäß reagieren sollen? Oft bieten vermeintliche "Hype-Themen" nach entsprechender Reife großes Potenzial. Als Beispiel ist hier die Enterprise-Cloud- Technologie zu nennen. Diese Technologie bietet hohe Sicherheit und Qualität sowie Autonomie und Flexibilität der IT-Infrastruktur.

Die direkte Koppelung der IT an die Wertschöpfung im Unternehmen erfordert Freiräume und Flexibilität. Aus dem klassischen Outsourcing ist das Cloud-Sourcing geworden. Ob Unternehmen Teile oder ganze IT-Bereiche durch Cloud-Dienstleistungen unterstützen wollen, müssen die Verantwortlichen in den Betrieben entscheiden. Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, Cloud-Dienstleister in die Überlegungen mit einzubeziehen, um im gemeinsamen Austausch das Potenzial voll ausschöpfen zu können.

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