IT-Strategien

Cloud Computing hat aus Geschäftssicht viele Vorteile

Cloud Computing steht für eine grundlegende Veränderung bei der Nutzung von Rechen- und Speicherressourcen. Statt Server und Applikationen selbst zu betreiben, werden flexible Dienste genutzt.

Cloud Computing hat aus Geschäftssicht viele Vorteile

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Cloud Computing hat aus Geschäftssicht viele Vorteile

Aus Geschäftssicht hat Cloud Computing viele Vorteile: Eine virtualisierte Infrastruktur ermöglicht den Bezug von Rechen- und Speicherressourcen nach Bedarf. In Spitzenzeiten kann zusätzliche Kapazität gebucht und bei einer geringeren Auslastung wieder zurückgefahren werden.

Die schnelle und flexible Bereitstellung von Ressourcen ist ein wichtiges Merkmal. Im günstigsten Fall - so die Erwartungen - sind einzelne Fachabteilungen in der Lage, ihre gerade aktuell benötigte IT-Leistung bei einem beliebigen Cloud-Provider zu ordern. Um die technischen Details kümmert sich der Anbieter.

Autor: Brian Cornell - Red Hat

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Der Autor: Brian Cornell - Regional Director Central Europe bei Red Hat

Ein Beispiel dafür ist Salesforce.com . Das Unternehmen stellt Web-basierende Anwendungen für das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) über das Internet bereit, die von vielen Kunden weltweit in Form von Software as a Service (SaaS) genutzt werden.

Weitere bekannte Vertreter öffentlicher Clouds sind die Amazon Elastic Compute Cloud (EC2) und der Amazon Simple Storage Service (S3). Das Angebot öffentlicher Clouds auf der einen Seite wird durch eine Vielzahl privater Clouds von Unternehmen ergänzt, bei denen Anwendungen und Services über das firmeneigene LAN/ WAN bereitgestellt werden. Reicht die Leistungsfähigkeit der internen Cloud nicht mehr aus, wäre es wünschenswert, zusätzliche Ressourcen öffentlicher Clouds nutzen zu können.

Jeder Anbieter pflegt seine eigenen Technologien

Genau hier beginnt die Krux: Da Cloud Computing eine noch junge Technologie ist, haben sich bisher noch keine allgemein akzeptierten Standards herausgebildet. Viele proprietär arbeitende Technologielieferanten folgen ihren eigenen Vorstellungen, wie eine Cloud aus Applikationssicht angesteuert, betrieben und gemanagt werden sollte.

Standard-Schnittstelle

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Standard-Schnittstelle: Das Projekt Deltacloud verbindet private und öffentliche Clouds.

Nutzen Betreiber eine solche herstellerspezifische Cloud-Plattform, sind sie den Vorstellungen des Technologie-Anbieters ausgeliefert - und die können sich durchaus im Verlauf von zwei oder drei Jahren gravierend ändern. Was vor allem aus Anwendersicht, aber auch aus Entwicklersicht, fehlt, ist eine Verknüpfung verschiedener Cloud-Plattformen.

Verbindung von Cloud-Services

Cloud Computing repräsentiert eine grundlegende Veränderung an einem Funktionsmodell, bei dem Anwendungen nicht mehr separat auf einzelnen Hardware-Komponenten gespeichert und Ressourcen flexibler als früher eingesetzt werden.

Zudem verändert sich grundlegend das Entwicklungs- und Verbrauchsmodell: Fest verdrahtete, proprietäre Verbindungen zwischen Software-Komponenten und Anwendern dieser Komponenten werden durch kompakte Web-Dienste und Software-Zugänge über das Internet ersetzt.

Abstraktionsschichten (Hardware, Virtualisierung, Management und Applikationen)

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Beim Cloud Computing gibt es mehrere Abstraktionsschichten (Hardware, Virtualisierung, Management und Applikationen), zwischen denen eine hohe Flexibilität vorhanden sein sollte.

Die wichtigsten Komponenten, um vorhandene Applikationen von einem zu einem anderen Cloud-Provider zu verschieben oder gar eine Kooperation zwischen mehreren Anbietern zu erzielen, sind:

  • Standardisierte Schnittstellen: Anwendungen, die für eine Cloud erstellt wurden, lassen sich damit weitgehend problemlos zu einer anderen Cloud migrieren. Red Hat entschloss sich beispielsweise vor einiger Zeit, diese Lücke mit einem Open-Source-Projekt namens Deltacloud zu schließen, das sowohl ein einheitliches Interface definiert als auch Adapter für die wichtigsten öffentlichen und privaten Clouds bietet. Heute wird die Schnittstelle vom Incubator-Projekt der Apache Software Foundation betreut und weiterentwickelt.
  • Mehrere, voneinander getrennte Abstraktionsebenen: Hardware, Virtualisierung, Management und Applikationen sind als einzelne Schichten voneinander getrennt. Sie isolieren die Cloud-Services von der darunterliegenden Infrastruktur und sorgen so für eine verbesserte Portabilität von Cloud-Ressourcen. Abstraktionsebenen verringern die Abhängigkeit von CPUs, Betriebssystemen und Virtualisierungs-Software.
  • Leistungsfähige Management-Funktionen: IT-Administratoren sind damit in der Lage, die Cloud-Services, die das Unternehmen von mehreren Anbietern nutzt, so einfach wie möglich zu verwalten. Wichtig an dieser Stelle sind beispielsweise Funktionen für ein vollständiges Application Lifecycle Management, damit Unternehmen von der Flexibilität und der Anpassungsfähigkeit unterschiedlicher Cloud-Services profitieren und gleichzeitig die volle Kontrolle über ihr ganzes Portfolio von Anwendungen in der Cloud behalten können.

Initiativen und Allianzen

Die grundlegende Idee von Cloud Computing ist überzeugend, dennoch zögern Unternehmen mit einem breitflächigen Einsatz. Die Gründe dafür können sehr individuell sein: Einige haben Sicherheitsbedenken, andere fürchten die Abhängigkeit vom Hersteller.

Als Erfolg versprechendes Rezept, um in solchen Situationen voranzukommen, hat sich in der Vergangenheit oft die Definition von Standards und Richtlinien durch unabhängige Institutionen und gemischte Hersteller-Anwender-Gremien erwiesen.

Standards dienen als Vorgabe, um bestimmte Schnittstellen umzusetzen. Halten sich die Hersteller von Hardware, Netzwerk-Komponenten und Software an die Richtlinien, sind die Unternehmen auch bereit, das Angebot anzunehmen, weil sie davon profitieren.

Als bedeutende Standardisierungsaktivitäten im Bereich von Virtualisierung und Cloud sind insbesondere drei Initiativen zu nennen:

  • Open Virtualization Alliance (OVA),
  • Open Cloud Initiative (OCI),
  • Open Datacenter Alliance (ODA).

Vor allem im Bereich Infrastructure as a Service (IaaS) und bei öffentlichen Clouds kommen Betreiber ohne Virtualisierung nicht aus. Die OVA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kernel-basierende Virtual-Machine- Hypervisor-Technologie (KVM) als offene Alternative zu proprietären Virtualisierungslösungen zu fördern.

Die Open Cloud Initiative setzt sich für offene Standards bei Cloud Computing ein und will so mehr Interoperabilität ermöglichen. Die OCI hat dabei klare Vorstellungen zu offenen Standards: Sie müssen detailliert dokumentiert, veröffentlicht sowie zugänglich und frei nutzbar sein.

Anders als bei vielen anderen Standardisierungsgremien sind bei der Open Datacenter Alliance sowohl Hersteller als auch Anwender vertreten. Ein weiterer Unterschied: Man will keine Standards definieren, sondern in Anwendungsfällen die Herausforderungen beschreiben.

Beispiele dafür sind Möglichkeiten, um Applikationen und Infrastrukturen zwischen verschiedenen Clouds zu bewegen sowie die damit verbundenen Interoperabilitäts- und Cross-Platform-Management-Anforderungen.

Fazit

Da die IT-Infrastruktur von Unternehmen aktuell und künftig zahlreiche Komponenten vieler Hardware- und Software-Entwickler umfasst, sind Standardisierungsaktivitäten ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zur Interoperabilität. Anbieter von Open-Source-Software sind dem proprietären Lager einen entscheidenden Schritt voraus, denn sie arbeiten ohnehin mit offenen Schnittstellen und Standards und nicht mit hoch integrierten Blackboxes, die Anwender in eine isolierte Systemwelt "einsperren".

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