Interview des Monats

Christoph Heitjans - Director of IBM Global Financing

Christoph Heitjans, Director of IBM Global Financing (IBM Deutschland GmbH) spricht in unserem Interview des Monats über Investitionen und den deutschen Mittelstand.

Christoph Heitjans - Director of IBM Global Financing

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Christoph Heitjans - Director of IBM Global Financing

Zur Person

Christoph Heitjans leitet seit Januar 2008 den Geschäftsbereich Global Financing der IBM Deutschland GmbH. Zuvor war er zwei Jahre im Bereich Global Financing als  Director of Finance für Nord- und Osteuropa verantwortlich. Seine Karriere bei IBM  Deutschland startete Heitjans  nach abgeschlossenem Studium der Betriebswirtschaftslehre im Oktober 1985 im Bereich Controlling. Später war er in leitenden Funktionen verschiedener Finanzbereiche national und international tätig, die ihn unter anderem in das damalige europäische IBM-Hauptquartier nach Paris führten. Mit einem Anlagenbestand von über 36 Milliarden US-Dollar ist IBM Global Financing   (IGF) der weltweit größte IT-Finanzdienstleister und bietet in mehr als 55 Ländern rund 125.000 Kunden jeder Größenordnung flexible Leasing- und Finanzierungsprogramme für Hardware, Software und Services von IBM und anderen Anbietern an. Zudem unterstützt der Bereich Global Asset Recovery Solutions die Kunden durch Rücknahme und Entsorgungsangebote für ausgesonderte IT-Assets. Christoph Heitjans wurde 1959 in Rheine geboren. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

Business&IT: Wie schätzen Sie das IT-Investitionsverhalten im Mittelstand zurzeit ein?

Christoph Heitjans: Analysten- und Marktreports sind sehr positiv: So wird laut BITKOM der  IT-Sektor 2012 mit einem Plus von 4,5 Prozent auf 73 Milliarden Euro wachsen. Das bestätigt auch  eine neue IDC-Studie, derzufolge deutsche IT-Entscheider für die kommenden Monate  mehrheitlich von einer tendenziell positiven Geschäftsentwicklung ausgehen. Diese Grundstimmung  spiegelt sich in gleichbleibenden oder gar steigenden Investitionen in Hardware, Software und  Services für 2012 wider. Wir gehen bei IBM davon aus, dass der reine IT-Mittelstandsmarkt in  Deutschland um etwa vier Prozent wachsen wird.

In welche Technologien wird der Mittelstand nach Ihrer Meinung 2012 am meisten investieren?

Christoph Heitjans: Die IT hat sich im Mittelstand mehr und mehr zum Herzstück für  Geschäftsmodelle entwickelt - vor allem, wenn es um den globalen Marktzugang, die  Innovationskraft und die Kundenorientierung geht. Die IT muss so flexibel sein, dass sie innerhalb  kürzester Zeit an neue Geschäftsanforderungen angepasst werden kann. Daher werden  die Unternehmen sich mit den Themen Cloud Computing und der Virtualisierung von Systemen intensiv beschäftigen. Auch Mobile Business, mobile Anwendungen sowie der Einsatz  von mobilen Endgeräten werden wachsen. Investitionen in Lösungen für intelligentes  Datenmanagement - Stichworte: Big Data und Business Analytics - sowie Sicherheitslösungen  sind ein weiterer Schwerpunkt ebenso wie das Thema Social Media.

Der Mittelstand ist finanziell gut aufgestellt, Kredite sind günstig zu haben. Warum sollten Unternehmen IT-Projekte dennoch über den Hersteller leasen oder finanzieren?

Christoph Heitjans: Es ist richtig, dass der Mittelstand die Zeit der Finanzkrisen dazu genutzt hat,  seine Kapitalstrukturen zu stärken und die Eigenkapitalbasis zu verbessern. Auch ist die  Kreditversorgung trotz aller Unkenrufe als gut zu bezeichnen. Dennoch ist das Leasing mit 48 Prozent Anteil an allen fremdfinanzierten Investitionen nach wie vor eine herausragende und  bedeutende Finanzierungsquelle. Für mittelständische Unternehmen stellt sich auch die Frage, ob  es sinnvoll ist, bestehende Kreditlinien für Investitionen außerhalb des Kerngeschäfts in Anspruch  zu nehmen. In der IT mit seiner rasanten technologischen Entwicklung geht es nicht  ums Besitzen, sondern ums Nutzen. Wer seine IT-Infrastrukturen nicht den technologischen  Entwicklungen anpasst, riskiert Wettbewerbsnachteile. Eine flexible Leasing- Lösung schützt vor  technologischer Veralterung, bietet planbare Kosten,bilanzielle und steuerliche Vorteile, schont die Liquidität und ist bei Betrachtung  der Total Cost of Ownership günstiger als eine Kreditfinanzierung.

Welche Arten von Finanzierung bieten Sie an?

Christoph Heitjans: Wir fokussieren uns darauf, was wir eindeutig am besten können, besser auch  als die klassische Geschäfts- oder Hausbank: die Finanzberatung und Finanzierung von  IT-Projekten aller Art, egal ob Hardware, Software oder IT-Services von IBM oder von  anderen Anbietern, an allen Schnittstellen der Wertschöpfungskette. Wir ermöglichen Wareneinkaufs- und Warenverkaufsfinanzierungen für unseren Absatzkanal, die Distribution und  die Wiederverkäufer und bieten diesen gleichzeitig die Möglichkeit, ihre Endkundenprojekte mit  uns über Leasing-, Darlehens- oder Teilzahlungskonzepte zu finanzieren. Diese End-to- End-Finanzierungskette ist einzigartig und differenziert uns im Markt. Innerhalb dieser Modelle ist  vieles möglich: Wir gewähren  verschiedenste Laufzeiten entsprechend den Technologie- und   nvestitionszyklen  und haben flexible Rückzahlungsmodelle mit fixen Raten während der   rundlaufzeit. Zahlungsfreie Monate sind ebenso möglich  wie gestaffelte Zahlungspläne, um die   ahlungen an den Investitionserträgen auszurichten. Wir bieten auch Sale & Lease-back-Verfahren.

Was zahlt die IT-Finanzierung gegenüber dem Barkauf aus?

Christoph Heitjans: Zumeist ist die Finanzierung durch Leasing-Modelle bei IT-Anschaffungen  wirtschaftlich sinnvoller als der Barkauf. Denn Unternehmen können so ihren Cashflow entlasten  und ihre IT-Investitionsstrategie ihren Bedürfnissen und geschäftlichen Rahmenbedingungen anpassen, die sich schnell ändern können. Leasing schützt vor allem wirksam gegen  technologische Überalterung. Eine Problematik, die in diesem Bereich sehr viel schneller spürbare  Konsequenzen haben  kann, weil bei einem Investitionsstau unmittelbar   Wettbewerbsnachteile  zu befürchten sind. Anders ausgedrückt: Eine strategisch sinnvolle  Finanzierung von IT-Ressourcen kann echte Wettbewerbsvorteile bringen.  Planbare Budgets  sowie der Schutz bestehender Kreditlinien sind weitere Argumente für eine IT-Finanzierung durch Leasingmodelle.

Worauf ist beim Entwickeln einer Finanzierungsstrategie zu achten?

Christoph Heitjans: Zunächst geht es darum, den Finanzierungspartner sorgfältig auszusuchen,  nicht nur auf eine Finanzierungsquelle zu setzen und Finanzierungsmodelle auf das eigene  Geschäftsmodell abzustimmen. Kernlinien bei der Hausbank, die für das tägliche Geschäft gebraucht werden, sollten nicht durch Investitionen in Non-Core-Geschäfte, wie die  Modernisierung der IT-Infrastruktur, belastet werden. Da bietet sich IBM Global Financing als Alternative sehr gut an.

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