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Anforderungen an einen Administrator: Das wollen Unternehmen wirklich

Wir wollten wissen, welche Anforderungen ein typisches mittelständisches Unternehmen wirklich an einen zukünftigen Administrator stellt. Wir haben Antworten!

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Was sind heutzutage wirklich die Anforderungen, die ein Administrator erfüllen muss?

Geht es nach den Stellenausschreibungen, so müsste ein Administrator oder IT-Profi in den heutigen Tagen etwas von einem Supermann haben. Jung und dennoch erfahren, zielorientiert, akademischer Abschluss, höchstes technischer Verständnis, sattelfest in Englisch und natürlich beseelt vom  Blick für die Unternehmensanforderungen. Zwischen den typischen und zumeist wenig realistischen Anforderungen an Bewerber und den tagtäglichen Erfordernissen der Praxis klaffen erwartungsgemäß größere Lücken.

Wir wollten wissen, welche Anforderungen ein typisches mittelständisches Unternehmen wirklich an einen zukünftigen Administrator stellt. Wir haben uns deshalb ausführlich mit drei leitenden IT-Angestellten eines solchen Unternehmens in Süddeutschland unterhalten, und haben uns von ihnen sagen lassen, was ein solcher "Administrator-Supermann heute können sollte und muss.

Wer kennt schon Administratoren?

System-Administratoren sind Menschen, die in der Wahrnehmung der Mitarbeiter eines Unternehmens nur sehr selten vorkommen. Zumeist sitzen sie irgendwo in Kellerbüros, umzingelt von reichlich viel Technik. Wer sich als "normaler Angestellter einmal gezwungen sieht , sich zu den Admins an den Tisch in der Kantine setzen zu müssen, scheitert häufig an deren zuweilen skurrilen Humor, der zudem mit eher kryptisch-unverständlichen Tischgesprächen einhergeht. Ein direkter Kontakt ist oft nur selten möglich und erforderlich - telefonisch gelangt der Mitarbeiter höchstens an den Service Desk, der freundlich eine Meldung annimmt und schnelle, umgehende Besserung verspricht. "Ich werde es dem zuständigen Kollegen von der Technik sagen!" - dieser Kollege ist ein Administrator.

So ist dann der Administrator der "Herrscher über die Daten", das Netzwerk, Client-Rechner und alles was die Firma im Backoffice-Bereich an Technologie einsetzt. Wir werden diese Techniken nun nicht aufzählen, auch wenn deren Art und Anzahl ja genau die erste Anforderung ist, der ein Administrator in einem kleinen oder mittelständigen Unternehmen auf jedem Fall gewachsen sein muss. Das technische Grundwissen eines IT-Mitarbeiters sollte also umfangreich und möglichst vielfältig aufgestellt sein. Je nach Unternehmensgröße findet für gewöhnlich eine Einteilung in Fachbereiche statt. Die Expertise eines Mitarbeiters für den jeweiligen Teilbereich entwickelt sich erst mit den Jahren. So sahen es die von uns befragten Experten im Gespräch auch als kaum erforderlich an, dass sich beispielsweise ein Datenbank-Administrator und Unix-Experte in der täglichen Praxis bis ins letzte Detail mit dem Microsoft Active Directory auseinandersetzt. Auf anderen Seite fanden sie es hingegen zwingend erforderlich, dass auch der Unix-Datenbank-Profi ein Verständnis dafür hat, wie ein modernes AD arbeitet und wie es in der eigenen Firma organisiert ist. Eine ihrer Schlussfolgerungen daraus: Eine technische Expertise kann in der Administration kein Ersatz für universelles technisches Verständnis von generellen IT-Verfahren sein.

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Was ein Admin kennen sollte: Betriebssysteme, Automatisierung und mehr

In welchen technischen Bereichen ein Administrator besondere Stärken haben sollte, liegt ganz allein am späteren Einsatzbereich und der Branche. Es gibt Techniken, die es vollkommen losgelöst vom Unternehmensziel in fast jeder Firma gibt: Die Microsoft-Betriebssysteme für Client- und Server-Computer, den Kommunikationsserver Microsoft Exchange, die Kollaboration-Plattform SharePoint. Ein Administrator, der sich auch um das Netzwerk kümmern muss, sollte den Umgang mit aktiven Netzwerkkomponenten von Cisco oder Hewlett Packard sicher beherrschen. "Next-Generation"-Firewalls gehören ebenso, wie die zuvor genannten Themen, zu den Basisqualifikationen, die jeder Administrator heute mitbringen sollte. Linux- oder OS-X-Kenntnisse sind, je nach Verbreitung im Unternehmen, von Vorteil, ebenso Kenntnisse im Bereich des Mobile Device Management (MDM), Mobile Application Management (MAM)  beziehungsweise der logischen Fortführung im Enterprise Mobility Management (EMM).

Automatisierung von Abläufen gilt als der Schlüssel für eine möglichst schlanke und leistungsfähige IT, da waren sich alle drei befragten IT-Leiter einig, daher sollte der Administrator von heute in der Lage sein, Vorgänge zu automatisieren. Ob er sich nun mit einer Programmiersprache, der Powershell oder mit einem grafischen Workflow-Tool auskennt, spielt dabei letztendlich keine allzu starke Rolle. Wichtig ist viel mehr das Verständnis für die Adaption von Abläufen hin zu programmierbaren Prozessen. Administratoren sind keine Entwickler, daher ist episches Detailwissen nicht erforderlich. Das Verständnisniveau für die Scripting-Basis sollte entsprechend hoch sein, um individuelle Anforderungen aus dem eigenen Unternehmen umsetzen zu können.

Wer ein automatisiertes und gezieltes Verteilen von MSI-Paketen mit Windows-Bordmitteln über Gruppenrichtlinien bewerkstelligen kann, wird das auch bei Verwendung einer speziellen Client Lifecycle Management (CLM), beziehungsweise Systems Management Lösung umsetzen können. Die Grundlagen sind, aufgrund einheitlicher Schnittstellen, dieselben, die Varianten unterscheiden sich daher eher in den Details.

Der sichere Umgang mit Virtualisierungsplattformen steht bereits seit einigen Jahren fest auf der Liste der Anforderungen für Administratoren. Das Aufsetzen, Administrieren, Verschieben, Sichern und Wiederherstellen von VMs im VMware vCenter-Umfeld dürfte in vielen deutschen Unternehmen zum täglichen Geschäft gehören. Sollte die Firma auf Citrix Xen oder Microsoft Hyper-V setzen, so gelten die Anforderungen für diese Produkte entsprechend. Keinerlei Erfahrungen im Bereich der Virtualisierungsplattformen zu besitzen ist ein "no go". Selbst der freundlichste Mitarbeiter am IT-Service Desk muss heute wissen, was Virtualisierung ist.

Lesetipp: Virtualisierung - das Ende der IT "in Hardware"?

Verständlicherweise sind Berufsanfänger, die erst frisch die Ausbildung zum Fachinformatiker abgeschlossen haben, noch keine Experten für einen Zweig. Dennoch sollten auch Neulinge im Beruf schon ein Gefühl dafür haben, in welche Richtung ihre persönlichen Tendenzen gehen. Schon in den Auswahlgesprächen für Auszubildende, so die befragten IT-Leiter, werde stets versucht diese Neigung herauszubekommen. Die Bereitschaft für ein dauerhaftes Lernen ist sicherlich nicht nur in der IT eine klare Anforderung an neue Mitarbeiter. Aufgrund der recht kurzen Lebenszyklen von Techniken in der IT ist die Beständigkeit der Lernbereitschaft jedoch in diesem Berufsfeld besonders wichtig. Viele Techniken offenbaren ihre Tragweite erst bei der praktischen Erprobung, daher geben viele Vorgesetzte ihren Mitarbeiter das entsprechende Zeitfenster zum "Tüfteln".

Je länger eine geordnete Ausbildung zurückliegt, desto höher wird der Wunsch nach gezielten Fortbildungsmaßnahmen und Zusatzqualifikationen. Deren Inhalte kann ein Mitarbeiter jedoch nur dann in die Praxis umsetzen, sofern er sich schon im Vorfeld mit der Einführung von neuen Technologien auseinandergesetzt hat. Auch wenn dies der typische Angestellte mit Gewerkschaftshintergrund nur ungern hören wird, so endet das IT´ler sein nicht automatisch mit dem Erreichen der Tagesarbeitszeit.

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Zeitliche Flexibilität zur projektbezogenen Arbeit und die Bereitschaft, sich auch in der heimischen Freizeit mit der einschlägigen Literatur und Fachmedien auseinanderzusetzen, sind Erfordernisse unserer Zeit. Dass sich hiermit so mancher Mitarbeiter schwertut, bestätigten die drei Gesprächspartner unisono.

In einer Branche, in der sich Konstellationen so schnell verändern wie in der IT, ist es für den Administrator zwingend erforderlich, sich mit der Informationsbeschaffung über Foren und anderen Social-Media-Kanälen zu beschäftigen. Um hier auf ein möglichst großes Informationsangebot zurückgreifen zu können, muss der IT-Profi Englisch zumindest in Fachterminologie sicher verstehen. Glücklicherweise sind IT-Foren bei sprachlichen Verirrungen sehr tolerant. Kommunikationsfreude, und sei sie doch eher getippt, denn gesprochen, erleichtert das Arbeiten als Administrator deutlich.

Schulungen, Bücher und Fachzeitschriften bilden das Fundament für das tiefe technische Verständnis und sind unverzichtbar. So unverzichtbar wie die Freude an Dingen fernab der IT, sei es nun Fahrrad fahren, Jogging, Klettern, Yoga, Fußball, Schießen, Lesen oder Tanzen. Ein gepflegtes und intensives Hobby sorgt für den notwendigen Ausgleich, daher schauen IT-Leiter bei den Bewerbungsunterlagen noch immer gern auf die genannten Hobbys.

Verständlicherweise wünschen sich Unternehmen, dass Abläufe in den Abteilungen möglichst ohne Reibungsverluste funktionieren. Reibungsfreies Arbeiten erfordert von Menschen das Mitbringen von Skills wie Kollegialität oder Verständnis für die Situation von Fachabteilungen oder Kollegen. Leider kommt es, aufgrund von Arbeitsverdichtung oder unzureichenden Ressourcen, in jeder Firma zu Unstimmigkeiten zwischen den Mitarbeitern. Ein gepflegter Umgangston und die Fähigkeit sich auf den Sachverhalt konzentrieren zu können, sind "soft Skills", die von jedem Angestellten verlangt werden, auch von einem IT-Administrator.

Unabhängig von den eher technischen Anforderungen verlangen Unternehmen heute von Administratoren und IT-Mitarbeitern jedoch mehr als den Blick auf Server, Computer oder Peripheriegeräte. Nicht umsonst geistern Buzzword-Konstruktionen wie "IT enabled" durch die Presse. IT-Systeme betreiben Administratoren nicht zum Selbstzweck, auch wenn man manchmal diesen Eindruck haben könnte. In Abhängigkeit vom Firmengeschäft gilt es, die erforderlichen Prozesse in der Produktion, in der Verarbeitung oder bei der Erbringung von Service-Leistungen zu verstehen. Und dies erfordert eine Offenheit und intensivere Auseinandersetzung mit den Fachabteilungen.

Im Idealfall, mit einem im Unternehmen etablierten und gelebten Projekt-Management, wird die IT bereits sehr früh in die Planungen oder Anpassungen involviert. Nur wenn IT-Fachleute von Beginn an die Ausarbeitung einer Anforderung begleiten, sind sie in der Lage, die Bedürfnisse der Fachabteilung in Gänze zu verstehen und in der IT-Umsetzung abzubilden. Sicherlich ist ein reiner Back-Office-Administrator eher selten die geeignete Person. Das Unternehmen muss daher dem primär technisch geprägten Mitarbeiter die passenden Ansprechpartner zur Seite stellen. Diese können aus den Fachabteilungen selbst stammen oder aus den Schwerpunkt-Unterabteilungen der IT selbst. Das Ziel bestimmt den Weg und auch die Mittel. Das Ziel wiederum gibt die Unternehmensleitung vor.

Die Herausforderung des IT-Leiters besteht darin, die jeweils geeigneten Mitarbeiter mit dem passenden Kenntnisstand und den notwendigen zeitlichen Ressourcen einzusetzen. Und wie in allen Branchen sind es am Ende meistens die Mitarbeiter selbst, die wieder alles anders gemacht hätten - ohne den Aspekt der Ziele und Ressourcen für alle anstehenden Anforderungen überhaupt zu kennen. Das aber, ist eine ganz andere Geschichte aus der Praxis.

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